Aktuell

28.Oktober 2020

DenkOrt Deportationen
In Heidingsfeld/Würzburg erinnert seit dem 19. Oktober am Dürrenberg ein Koffer aus Beton an unfassbares Leid und Unrecht in der Zeit des Nationalsozialismus. Oberbürgermeister Christian Schuchardt sprach in seiner Rede vom „Spiegelstückkoffer zum DenkOrt Deportationen“ auf dem Vorplatz des Würzburger Hauptbahnhofs. (Siehe dazu auch unseren Bericht im letzten Heft vom 18. September) Hauptsächlicher Bestandteil des DenkOrtes sind Skulpturen in Form von Gepäckstücken, die an 2069 Männer, Frauen und Kinder erinnern.
Sie wurden zwischen 1941 und 1943 aus Unterfranken in die Durchgangs- und Vernichtungslager deportiert und nur 63 von ihnen sollten überleben. Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Würzburg, zeigte auf, dass Heidingsfeld vor 1930 die bedeutendere Gemeinde im heutigen Stadtgebiet war. Am neuen Denkmal beteiligt war auch die städtische Berufsschule „Josef Greising“. Fachlehrer Mario Metz und seine Straßenbaulehrlinge fertigten den Betonkoffer.
Mehr dazu in unserem nächsten Heft.
bere.

DenkOrt Deportationen Heidingsfeld, von links.: Benita Stolz, Dr. Josef Schuster, OB Christian Schuchardt, Schulleiter Johann Schweiger und Kulturreferent Achim Könneke. Bild: Georg Wagenbrenner

28. Oktober 2020

Georg Heuberger und Cilly Kugelmann machten ab 1988 das Jüdische Museum Frankfurt zum Vorbild für viele spätere Jüdische Museen in der Bundesrepublik und zahlreiche „Museumsleute“ aus diesem speziellen Fachbereich pilgerten an den Main.
Schon damals war es eng im Rothschildpalais am Mainufer, unten im Café mit seinem Angebot an jüdischer Presse und Literatur, oben in der Dauerausstellung und auch in den Räumen für die Wechselausstellungen. Bald war klar, dass mehr Platz benötigt wurde und mit den neuen Jüdischen Museen, auch mit Berlin, wo mittlerweile Cilly Kugelmann führend tätig war, gab es auch „Konkurrenz“. Die Stadt Frankfurt als Trägerin des Museums beschloss 2015 einen umfassenden Umbau und zusätzlich einen großzügigen Erweiterungsbau. Seit dem 21. Oktober 2020 geöffnet, ist der neue Komplex für Museums-Besucher wegen Corona aber leider nicht zugänglich.
Insgesamt 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Museum jetzt. Die neue Dauerausstellung zeigt die jüdische Geschichte Frankfurts von den frühen Anfängen bis heute. „Die thematisch strukturierte Ausstellung schildert, wie Jüdinnen und Juden die kulturelle, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt prägten und thematisiert die jüdische Erfahrung von Exil, Gewalt und Gegenwehr in einer europäischen Dimension“, erläutern die Ausstellungsmacher.
Mehr dazu im nächsten Heft.
bere.


Ariel Schlesingers Skultpur „Untitled“ (2019) auf dem Vorplatz des neuen Jüdischen Museums Frankfurt. Foto: Norbert Miguletz
© Jüdisches Museum Frankfurt

28. Oktober 2020

Mit ihrer Tochter und einem weiteren Mädchen gelang der Mutter von Ruth Klüger kurz vor Kriegsende die Flucht auf einem sogenannten Todesmarsch. In ihrem Buch „weiter leben. Eine Jugend“ beschreibt die gebürtige Wienerin auch die erste Zeit nach der Befreiung als 14-jähriges Mädchen in Bayern. Bis zur Auswanderung in die USA lebte sie zunächst in Straubing, später in Regensburg.
Der Göttinger Wallstein Verlag brachte „weiter leben“ 1992 heraus. Das Buch wurde ein großer Erfolg, für die Autorin und für den Verlag.
„Ruth Klüger hat das Programm des Wallstein Verlags maßgeblich geprägt,“ schreibt der Verleger Thedel v. Wallmoden auf der Webseite des Verlages. „Der große Erfolg von »weiter leben. Eine Jugend« hat die Entwicklung und den Aufbau des Verlags erst ermöglicht.“ Auch ihr Buch „Frauen lesen anders“ brachte ihr ein überwältigendes Echo bei Kritikern und Publikum.
Anfang Oktober verstarb Ruth Klüger im Kreis ihrer Familie in Irvine, USA. In unserem nächsten Heft bringen wir einen Nachruf.
bere.

Foto: Brigitte Friedrich,
Wallstein Verlag

Am 17. Juni 1943 starteten zwei Deportationszüge vom Würzburger Hauptbahnhof nach Auschwitz, darunter ein eineinhalb Jahre altes Kleinkind. Insgesamt wurden in sieben Deportationen 2.069 Männer, Frauen und Kinder zwischen 1941 und 1944 aus Unterfranken in die osteuropäischen Durchgangs- und Vernichtungslager deportiert, nur 63 überlebten. Genau 77 Jahre nach diesem Deportationszug hat die Stadt Würzburg gemeinsam mit dem Verein „DenkOrt Deportationen“ ein Denkmal an diesem prominenten Platz, den täglich Hunderte von Menschen passieren, eingeweiht. „Hier, wo sich täglich Menschen aus freien Stücken auf die Reise machen, ist der richtige Ort, an die Menschen zu erinnern, für die es keine Rückkehr mehr gab“, betonte Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der Einweihung.

„Damit“, erklärte Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, „symbolisiert der DenkOrt Deportationen sehr gut, was der Holocaust war, ein dezentrales Ereignis. Allein, wenn wir auf unsere Region schauen, wird das sichtbar. Es gab zig Orte, an denen Juden lebten und wo sie ab 1933 verfolgt und entrechtet wurden. Es waren zig Orte, in die sie verschleppt wurden und wo sie ermordet wurden. Es gab zig Menschen, die die Deportationen damals beobachteten und es waren zig Menschen, die an der Vernichtung der Juden beteiligt waren.“

Von links: Bürgermeister Martin Heilig, Dr. Ludwig Spaenle (Antisemitismus-beauftragter Bayer. Staatsregierung), Kulturreferent Achim Könneke, MdL und Stadtrat Patrick Friedl, Dr. Rotraud Ries (Leiterin Johanna-Stahl-Zentrum), Dr. Josef Schuster (Präsident Zentralrat der Juden), Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Erwin Dotzel (Präsident Bezirkstag Unterfranken), Architekt Matthias Braun, Bürgermeisterin Judith Jörg.
Foto: Claudia Lother